Nach der Berufsordnung der Ärzte ist jede medizinische Behandlung unter strenger Beachtung des Selbstbestimmungsrechts des Patienten vorzunehmen. In einer Patientenverfügung legen Sie im Voraus fest, welchen medizinischen Maßnahmen Sie im Falle eines Unfalls, einer schweren Erkrankung oder hohen Alters zustimmen und welche Sie ablehnen. Diese Entscheidungen kommen nur dann zum Tragen, wenn Sie in der jeweiligen Situation nicht mehr in der Lage sind, Ihren Willen zu äußern – ansonsten ist ein von Ihnen geäußerter Wille natürlich stets vorrangig zu beachten. 

Beispiel: Wird in einer Patientenverfügung einer künstlichen Beatmung klar widersprochen, so wird im Falle eines Lungenversagens auf den Einsatz eines Beatmungsgerätes verzichtet. Der Betroffene wird nicht künstlich am Leben erhalten, sondern kann in Ruhe sterben. Ist der Patient aber noch bei Bewusstsein und äußert den Wunsch, künstlich beatmet zu werden, wird dies geschehen. Eines Rückgriffs auf den in der Patientenverfügung niedergelegten Willens bedarf es nicht. 

Rechtslage ohne Patientenverfügung

Wenn Sie keine Patientenverfügung aufsetzen, sind Sie im Falle des Verlustes der eigenen Willensbildungs- oder Willensäußerungsfreiheit auf die Entscheidung eines Betreuers angewiesen. Dies ist entweder ein vom Gericht eingesetzter Betreuer oder eine vorher von Ihnen für Entscheidungen in Gesundheitsangelegenheiten bevollmächtigte Person – in beiden Fällen meistens jemand aus dem Freundes- und Familienkreis. Der Betreuer hat dann anhand Ihrer Lebensweise und Ihrer früheren Äußerungen zu entscheiden, ob sie der jeweiligen Behandlung zustimmen würden oder nicht, wenn Sie dazu in der Lage wären. Das heißt er muss versuchen, Ihren mutmaßlichen Willen herauszufinden. Das birgt die Gefahr in sich, dass er Ihre Meinung falsch einschätzt und so letztlich nicht in Ihrem Sinne handelt. 

Für den Betroffenen ist es häufig sehr schwierig, für Sie die Entscheidung für oder gegen lebenserhaltende Maßnahmen zu treffen – wenn es sich um eine Ihnen nahe stehende Person handelt. Die Angst vor einer Fehlentscheidung und der Verantwortung für das Versterben eines anderen führt dazu, dass der Betreuer eine sehr schwierige Zeit durchmacht. Hinzukommt, dass der Betroffenen die für Sie getroffene Entscheidung auch gegenüber Ihren anderen Freunden und Verwandten rechtfertigen muss. Mit einer Patientenverfügung nehmen Sie diese Last von dem jeweiligen Betreuer und entscheiden selbst.